Die Wolf-Weil-Straße ist da!

27. Februar 2021

Im November hat der Hofer Stadtrat die Umbenennung beschlossen; ab 1. Januar trat der Beschluss in Kraft. In diesen Tagen hat das Votum des höchsten Gremiums der Stadt nun auch sichtbare Gestalt angenommen: Auf dem Stadtplan googeln kann man die Wolf-Weil-Straße bereits. Außerdem haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs jetzt auch die neuen Straßenschilder an Ort und Stelle gebracht, unweit des Jüdischen Friedhofs. Die „Hohe Straße“ wurde nach oben versetzt und beginnt nunmehr einige hundert Meter weiter oben.

Die VVN-BdA hatte sich seit mehr als fünf Jahren für eine solche Ehrung für den ersten Hofer Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde nach 1945 stark gemacht. Thomas Etzel, Stadtrat der Linkspartei und stellvertretender VVN-BdA-Kreisvorsitzender, bedankte sich bei der Stadt Hof. „Nun sind wir gespannt auf die offizielle Einweihungszeremonie, die dann hoffentlich im Sommer in würdiger Form stattfinden kann.“

Schließlich ist eine solche Umbenennung keineswegs alltäglich, 33 Jahre nach dem Tod des einstigen „Schindlerjuden“ Wolf, genannt Wowek, Weil am 12. März 1988. Bis zuletzt übte er sein Amt als Vorsteher der jüdischen Gemeinde aus, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Alfreda, auch sie eine Überlebende des Holocaust. Sie starb hochbetagt vor einem Jahr in Hof.

Weils Nachfolger wurde Leon Gonczarowski, dem in Moschendorf vor knapp fünf Jahren ebenfalls eine Straße gewidmet wurde. Wie Wolf Weil war er dem Holocaust entkommen und hatte sich nach der Befreiung in Hof niedergelassen. „Beide Persönlichkeiten haben für die Entwicklung unserer Stadt eine bedeutende Rolle gespielt“, sagte die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann, „das sollte sich auch im äußeren Erscheinungsbild der Stadt widerspiegeln – gut so!“

Gedenken an Rosa Opitz an ihrem 20. Todestag

4. Februar 2021

Stadtrat Thomas Etzel (Die Linke) freut sich über die Übergabe eines Fotos der
jungen Rosa Völkel (Opitz) durch die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann (rechts) an die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla (links) auf dem Rosa-Opitz-Platz. Foto : Randolph Oechslein

Anlässlich des 20. Todestages der Hoferin Rosa Opitz (geb. Völkel) am 3. Februar 2001 erinnerte die VVN-BdA Hof-Wunsiedel in kleiner, aber feiner Runde – darunter die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla, Stadtrat Thomas Etzel und Kreisrätin Nanne Wienands – an das Leben der Widerstandskämpferin. Auf dem seit drei Jahren so benannten Rosa-Opitz-Platz ging die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann diesmal vor allem auf die jungen Jahre der späteren SPD-Stadträtin ein. Lebenslustig und tatkräftig sei die in vielen Bereichen Engagierte gewesen: Sie gewann Preise bei Turnwettbewerben und gestaltete kleine Theateraufführungen und Vorträge. Ganz abgesehen davon war sie früh bei der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) aktiv und wurde bald als politisches Nachwuchstalent von der SPD entdeckt und gefördert – bis die Nazis 1933 abrupt auch in ihr Leben eingriffen.

Rosa Opitz kommt noch einmal ins Rathaus!

Von ihrem einzigen Sohn, Helmut Opitz (geboren 1939), der heute in Südbayern lebt, wo seine Mutter auch begraben ist, erhielt die VVN-BdA ein ganz besonderes Foto. Es zeigt Rosa Völkel als 20-jährige flotte junge Frau. Das vergrößerte und gerahmte Bild übergab Eva Petermann an Oberbürgermeisterin Eva Döhla, die sichtlich überrascht und bewegt war. „Rosa Opitz war selbst lange Zeit im Rathaus als Stadträtin“, sagte Eva Petermann, „und auch deswegen passt doch auch dieses Bild sehr gut dorthin.“ Gerade weil ihr Lebensmotto in schwierigen Zeiten gewesen sei: „Man kann immer etwas tun.“ OB`ín Döhla (SPD), seit knapp einem Jahr im Amt als erste weibliche Oberbürgermeisterin in Hof, stimmte ausdrücklich zu und versprach, das Porträt im Rathaus aufzuhängen.

Antifaschistischer Jahresauftakt in Hof: Gedenken an Hans Merker

13. Januar 2021

In kleinem Kreise gedachten am 5. Januar Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender Kreisvorsitzender der VVN-BdA Hof-Wunsiedel, zusammen mit der VVN-BdA-Kreisvorsitzenden Eva Petermann und dem Vorsitzenden der DKP Hof, Randolph Oechslein, des kommunistischen Widerstandskämpfers Hans Merker. Auch die Stadt Hof hatte dessen Todestag nicht vergessen und einen Kranz aufstellen lassen.

Foto: Dirk John

Der Grabstein wie auch die ganze Grabstätte, in der auch die ebenfalls von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Erwin Klein und Philipp Heller ihre letzte Ruhe gefunden haben, war im vergangenen Winter sorgfältig restauriert worden.

Hofer Stadtrat beschließt Wolf-Weil-Straße – fast einstimmig

31. Oktober 2020

Ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus,

ein Signal der Versöhnung

Ein Jahr ist es jetzt her, dass Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender VVN-BdA-Kreisvorsitzender, den Antrag in den Stadtrat eingebracht hat: Darin forderte er eine öffentliche Ehrung von Wolf Weil, dem ersten Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde in Hof, in Form einer Straßenbenennung. Der ursprünglichen Vorschlag der VVN-BdA, die Straße vor der ehemaligen Synagoge, die Hallstraße umzubenennen, mochte sich die Stadtverwaltung nicht anschließen. Doch der Gedanke, den jüdischen Friedhof „einzurahmen“ durch einerseits die nach dem ersten jüdischen Landtagsabgeordneten Dr. Fischel Arnheim benannte Straße und zur anderen Seite einer Wolf-Weil-Straße (jetzt noch Hohe Straße) fand große Zustimmung, nicht zuletzt bei den Anwohnern. Von dort ist es übrigens gar nicht weit zur Graf-Stauffenberg-Straße.

In der öffentlichen Stadtratssitzung begründete Thomas Etzel den Antrag, dem sich zuvor auch schon die Mitglieder des Bauausschusses angeschlossen hatten. Bei der Abstimmung dann einhellige Zustimmung – fast. Zwei waren dagegen, rechts hinten in der Ecke. Ihre Gründe mochten sie nicht verraten, die zwei Herren von der AfD. Warum wohl?

„Hof setzt ein klares Zeichen gegen Rechts“, erklärt Eva Petermann vom VVN-BdA Kreisvorstand, „ein Zeichen gegen Antisemitismus und jedweden Rassismus und nicht zuletzt ein Signal der Versöhnung 75 Jahre nach dem Ende der verbrecherischen Nazidiktatur.“

Von Hof nach Nordhausen und Roßla (Südharz)

30. September 2020

Am Mahnmal vor dem Krematorium des KZ Mittelbau-Dora.

Von Hof nach Nordhausen und Roßla – Studienfahrt der VVN-BdA

zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Die Thüringer Gedenkstätte in idyllischer Landschaft am Rande des Südharz war den meisten Studienfahrt-Teilnehmer*innen genauso wenig bekannt wie die Tatsache, dass es hier eine Verbindung zum Hofer Widerstand gab.

In dem riesigen KZ „Mittelbau-Dora“ bei Nordhausen, ursprünglich eine Außenstelle des KZ Buchenwald bei Weimar, arbeiteten sie im Berg als Arbeitssklaven. Heute ist Mittelbau-Dora ein viel besuchter europäischer Lern- und Gedächtnisort. Die Studienfahrt dorthin hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel organisiert, unterstützt vom DGB-Kreisverband Hof und von „Demokratie leben“.

60 000 Menschen aus fast allen Ländern Europas, vor allem aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich, mussten hier zwischen 1943 und 1945 Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie der Nazis leisten Unter barbarischen Bedingungen arbeiteten sie unter Tage. Ab Januar 1945, als die sowjetische Armee unaufhaltsam gegen Westen vorrückte, wurden zusätzlich „Evakuierte“ auf Todesmärschen aus dem Vernichtungslager Auschwitz nach Nordhausen getrieben. Die Zahl der Toten war so hoch, dass zusätzlich zum Krematorium des KZ Scheiterhaufen errichtet wurden.

Das „Raketen-KZ“ war ab 1944 ein selbstständiges Lager mit seinerseits unzähligen Nebenlagern. Damals wurde die Raketenproduktion von Peenemünde in die vor den Luftangriffen der Alliierten geschützten Stollenanlagen des Kohnstein-Massivs verlagert. 1944/45 kamen der Ausbau unterirdischer Flugzeug- und Treibstoffwerke hinzu. Zu besichtigen ist diese unterirdische, technische Teufelswerkstatt zur Zeit nicht, aus Gründen des Infektionsschutzes.

Besonders hohe Priorität für Hitler hatte dieses Lager wegen der Produktion der „Vergeltungswaffen“ V-1 und V-2 – der „Wunderwaffe“, mit der die unaufhaltsame Niederlage abgewendet werden sollte. Die kam im KZ Mittelbau-Dora am 11. April 1945 mit dem Einmarsch der US-Truppen. Ein Film mit aufwühlenden Originalaufnahmen von der Befreiung des KZ beendete die Führung an der Gedenkstätte.

Die junge, sehr kenntnisreiche Führerin der Gruppe hatte zu Beginn Biografien von Überlebenden dieser Hölle gezeigt, deren Schicksale auch in einer aktuellen Sonderausstellung dokumentiert sind (online abrufbar unter www.buchenwald.de/949 ). Im Abschlussgespräch ging es dann um die Widerstandsgruppe innerhalb des Lagers, der auch der Hofer Hans Merker angehörte. An der Spitze dieser international zusammengesetzten Organisation stand der KPD-Reichstagsabgeordnete Albert Kuntz. Ziel war, die Produktion der „V-Waffen“ zu sabotieren, und gegenseitige Unterstützung und Rettung von möglichst vielen Mithäftlingen. Albert Kuntz wurde im Januar 1945 nach wochenlanger Folter zu Tode geprügelt. (Einzelheiten zu Albert Kuntz vgl. www.rosalux.de/fileadmin/ris_uploads/pdfs/171_Dieckmann.pdf)

Am Bahnhof von Roßla ( Südharz) informierte Randolph Oechslein über die Umstände der Ermordung des Hofer Widerstandskämpfers Hans Merker.

Am Bahnhof von Roßla (Südharz) informiert Randolph Oechslein über die Umstände der Ermordung des Hofer Widerstandskämpfers Hans Merker.

Als Merker am 5. Januar zum Verhör ins KZ Mittelbau-Dora transportiert werden sollte, sprang er aus dem Eisenbahnwaggon und rannte um sein Leben. Doch wurde er schließlich von SS gefasst und sofort erschossen. Die Versammelten gedachten des Ermordeten mit einer Schweigeminute.

Von den 9000 SS- und anderen Wachmannschaften wurden nach der Befreiung nur neunzehn vor Gericht gestellt. Der Dachauer „Dora-Prozess“ unter Führung der US-Armee endete mit vier Freisprüchen und 15 Schuldsprüchen, darunter ein Todesurteil. In einem späteren Prozess kamen alle Angeklagten bis auf einen mit geringen Haftstrafen davon oder wurden freigelassen. Die Mörder Hans Merkers wurden nie bestraft.

Fotos : Privat

Rosen für Rosa Opitz – Rosenpflanzung im Park fortgesetzt

20. September 2020

Eine beachtliche Gruppe kam auch in diesem Jahr in dem kleinen Park am Rosa-Opitz-Platz zusammen, um den 112. Geburtstag der Hofer Widerstandskämpferin und späteren SPD-Stadträtin mit der Pflanzung einer Rose, der Parkrose „Eden“, zu begehen.

Foto: Dirk John

Stadtrat Thomas Etzel , stellvertretender VVN-Vorsitzender, und die Kreisvorsitzende Eva Petermann versorgen abschließend die dritte Rose mit reichlich Wasser.

Studienfahrt zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora am 26. September 2020

24. August 2020

Studienfahrt der VVN-BdA Hof-Wunsiedel zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Nordhausen, Südharz) am Samstag, 26. September 2020

Mittelbau-Dora, das KZ des „Totalen Krieges“, steht exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung von Rüstungsfertigungen des NS-Regimes. Zehntausende Häftlinge bezahlten dafür mit dem Leben. Die Studienfahrt wurde unterstützt von „Demokratie leben“ und dem DGB Stadt und Kreis Hof.

Zwei Häftlinge, die überlebten, vor Teilen einer V-2-Rakete. Das KZ Mittelbau-Dora wurde am 11. April 1945 von der US-Army befreit.

Gedenken an 5 Jahre Stolpersteinlegung

13. August 2020

VVN-BdA kurz vor und nach der Sommerpause: Erinnerung an fünf Jahre Stolpersteinlegung und an den 112. Geburtstag von Rosa Opitz

Fest verknüpft mit der Erinnerungsarbeit an den Widerstand in Hof sind die Namen Hans Merker (KPD) und Rosa Opitz (SPD).

Eine junge Kameradin putzt den Stolperstein für den kommunistischen Hofer Widerstandskämpfer Hans Merker anlässlich des Gedenkens am 30. Juli 2020.

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Stolpersteinlegung für den Nazigegner Merker kam eine beachtliche Runde von Antifaschistinnen und Antifaschisten auf Einladung von VVN-BdA und DKP Hof zu einem kurzen Gedenken an der Messingplakette im Gehsteig der Döbereinerstraße 12, dem einstigen Wohnsitz von Merker und seiner Frau Anna, zusammen.

Der Hofer DKP-Vorsitzende Randolph Oechslein erinnerte daran, dass die Initiative für diesen Stolperstein aus der AG „Schule ohne Rassismus – mit Zivilcourage“ des Jean-Paul-Gymnasiums hervorging. Kamerad Oechslein, der seit Jahren zur Biografie Merkers forscht, machte auf die fatale Kontinuität rechten Terrors seit der Weimarer Republik bis in die Gegenwart aufmerksam.

Schon vor 1933 hätten Nazigegner wie Merker vor Kriegsvorbereitung und Hochrüstung gewarnt, sagte die Kreisvorsitzende der VVN-BdA, Eva Petermann. „Nie wieder Krieg“ sei in der Tat hochaktuell, auch die Pläne seitens des Verteidigungsministeriums zur Einführung neuer, bewaffneter Kampfdrohnen. Sie sprach sich für weltweite Abschaffung aller Atomwaffen aus, auch mit Blick auf die Jahrestage der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki Anfang August.

Abschließend forderte Janson Damasceno, Kreisvorsitzender der Partei DIE LINKE, mit Nachdruck die Auflösung rechtsterroristischer Netzwerke in Polizei und Bundeswehr, nicht zuletzt angesichts der Anschläge von Hanau, Halle und Kassel.

Mit dem Gedenken am Stolperstein verabschiedete sich der VVN-BdA-Kreisvorstand in die Sommerpause. Im September soll es weitergehen u.a. mit einer weiteren Rosenpflanzung am 14.9. im Zusammenhang mit dem „work in progress“ „Rosen für Rosa“ auf der Grünanlage im „Vertel“ . Bekanntlich erhielt diese vor zwei Jahren nach einer dynamischen Unterschriften-Kampagne, initiiert von Eva Petermann und vor allem getragen von Hofer Frauen, und nach einstimmigem Stadtratsbeschluss den Namen Rosa-Opitz-Platz, zu Ehren der beherzten Nazigegnerin und späteren SPD-Stadträtin.

Für Ende September plant die Kreisvereinigung eine Studienfahrt zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora nahe Nordhausen. Dieses KZ war das letzte von den Nazis gegründete KZ-Hauptlager. Es steht exemplarisch für die mörderische Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie. Dort können das Gelände mit Appellplatz und Krematorium sowie eine Filmdoku mit Originalaufnahmen von der Befreiung des KZ bzw. die sehr aussagestarke Dauerausstellung angesehen werden.

Ob die Stollenanlage im Kohnstein geöffnet wird, ist aus Infektionsschutzgründen unsicher. Hier hatten Wernher von Braun und u.a. auch der Ingenieur Günter Fuchs aus Schwarzenbach/Saale an der Konstruktion der V2-Rakete gearbeitet. Unzählige KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene bezahlten hier für die größenwahnsinnigen Weltmachtpläne des NS-Regimes mit dem Leben.

Auf dem Rückweg der Studienfahrt, die von „Demokratie leben“ und dem DGB Kreis Hof gefördert wird, gibt es in einen Zwischenstopp am Bahnhof von Roßla, wo Hans Merker bei seiner Flucht vom Transportwaggon ermordet wurde.

Die Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora findet statt am Samstag, 26. September ; Abfahrt ca. 7.30 Hof Freiheitshalle; Rückkehr spätestens 20 Uhr; Teilnehmerbeitrag: 10 Euro; ermäßigt 5 Euro. Die Durchführung steht unter dem Vorbehalt der aktuellen Pandemie-Situation. ANMELDUNGEN bitte möglichst bis 5. September 2020 bei Eva Petermann persönlich oder über die Homepage der Kreisvereinigung: https://hof.vvn-bda.de/

Aktuelle Meldung : Erfolg der Proteste: Freistaat klagt gegen Verweigerung der Revision! VVN-BdA empört über Gerichtsurteil zu einstigem Oberprexer Nazi-Treffpunkt / “Fatal falsches Signal“

27. Juli 2020

Scharfe Kritik übt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel an der Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zu dem einstigen Neonazitreffpunkt in Oberprex.
Zwar räumen die Münchner Richter ein, dass im Prinzip eine „Einziehung im Rahmen eines Vereinsverbots unter engen Voraussetzungen zulässig“ sei. Schließlich stand, so die VVN-BdA, auch das „Gemeinwohl“ der Gemeinde Regnitzlosau auf dem Spiel, wie es in Art. 14 und 15 des Grundgesetzes, den Enteignungsparagrafen, angesprochen ist.

Den Ausschlag aber gab anscheinend ausgerechnet eine Einschätzung aus dem eigenen Hause, durch den bayerischen Verfassungsschutz: Die Neonazikameradschaft sei dermaßen konspirativ vorgegangen, dass der Hausherrin eine Kenntnis von „der Nutzung durch das mittlerweile verbotene Freie Netz Süd (FNS)“ nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Für den VVN-BdA-Kreisvorstand „angesichts des jahrelangen Treibens in dem Anwesen eine nahezu absurde Fehleinschätzung.“ Diese stehe überdies im direkten Widerspruch zu früheren Aussagen der Behörde selbst.

Vor fast genau zwei Jahren wurde jene „Beschlagnahmung und Einziehung“ vom Verwaltungsgericht Bayreuth juristisch abgesegnet. Thomas Etzel, stellvertretender VVN-Vorsitzender, zitierte die damalige Bewertung des Innenministeriumsvertreters vor Gericht: Die Schutzbehauptung der Vermieterin, wenig mitbekommen zu haben, nannte dieser seinerzeit „völlig lebensfremd“. Obendrein, so die Aussage der beklagten Behörde, habe seinerzeit das Landratsamt in Hof Gentschs Mutter extra angeschrieben, um sie auf die verfassungswidrigen Aktivitäten hinzuweisen.

Nicht zuletzt angesichts der Mordanschläge in Halle, Hanau und Kassel, des gefährlichen Erstarkens des AfD-„Flügels“, angesichts von Nazi-Netzwerken bei Bundeswehr und Polizei usw. „setzt das Urteil von München ein fatal falsches Signal.“ Die Landesregierung müsse gegen die Nichtzulassung der Revision baldmöglichst Beschwerde einlegen. Das werde „der Prüfstein dafür sein, wie ernst die öffentlichen Beteuerungen gegen den Rechtsterror zu nehmen sind“, erklärt der VVN-BdA-Kreisvorstand abschließend.

(Aus der Pressemitteilung der VVN-BdA vom 14.7.20)


Vergessener Widerstand – zwei Nazigegner mit Endstation Hof

5. Juli 2020

Vergessener Widerstand – Ludwig Feuerle und Bruno Splitt –

zwei kaum bekannte Nazigegner, die nach der Befreiung nach Hof gelangten

1. Ludwig Feuerle – Widerstand zwischen Kunst und der Weißen Rose

Dr. Eva Hoegner aus München, u.a. Referentin an der KZ-Gedenkstätte Dachau und der Weiße-Rose-Stiftung, berichtete am 25. Juni auf Einladung des Langnamenvereins über den jungen Kunststudenten Gerhard Feuerle. Selbst kein aktiver Widerstandskämpfer, gehörte er doch zum Umfeld der „Weißen Rose“. Das brachte dem 1928 Geborenen Gestapo-Haft, Verhöre, Folter und ein Todesurteil ein; sechs Monate verbringt der bekennende Antimilitarist in der Todeszelle, u.a. wegen Wehrkraftzersetzung. „Er ist kaputtgemacht worden“, sagt seine hochbetagte Cousine Frau L. aus Hof, die als Zeitzeugin an der Veranstaltung teilnimmt.

Die Familie erwirkt Gnadenersuche, die zweimal abgelehnt werden. Schließlich steckt man ihn in das wegen seiner barbarischen Blutspur berüchtigte SS-Strafbattalion Dirlewanger. Mehrfach wird Feuerle verletzt, dennoch beordert den kaum Genesenen ein erneuter Einsatzbefehl nach Bautzen. Dann verlieren sich seine Spuren in Hof – wurde er bei einem Bombenangriff getötet oder von SS aufgegriffen und erschossen?

In Gefängnishaft schreibt der 25-jährige Künstler in seinem Politischen Vermächtnis am 2. Mai 1944 (gekürzter Auszug):

Mir hat sich im Gefängnis ein Blick hinter die Kulissen dieses Staates aufgetan, der mir die Stimme verschlug. Von Augenzeugen wurde mir über Verbrechen berichtet, die in der Geschichte der Menschheit beispiellos sind. Ich habe erkannt, worauf sich dieses System gründet und wo die Ursachen des Krieges zu suchen sind.

Der Krieg ist und bleibt für Deutschland verloren. Ja, mehr noch – im Interesse unseres Volkes muss er verloren gehen. Wir hätten dieser Verbrecherclique niemals den Weg freimachen dürfen. Ziehen wir eine blutige und todernste Lehre aus dieser Zeit.

Mein Opfer ist eines von vielen Tausenden. Ich sterbe für eine deutsche Zukunft, die einen Staat hervorbringt, der seine Lehren aus den vergangenen Jahren gezogen hat.“

2. Bruno Splitt – Widerstandskämpfer (KPD) aus Essen, wohnte nach 1945 in Hof

Das hat eine junge Doktorandin aus Berlin erforscht: 1981 starb der KPD-Funktionär und gelernte Bergarbeiter Bruno Splitt in Hof. Der 1898 Geborene gehörte nach 1933 der illegalen Widerstandsorganisation der KPD in Essen an, in der er wichtige Funktionen bekleidete. Bald jedoch wurde der ehemalige Essener Stadtrat festgenommen und in das KZ Sachsenhausen verschleppt, später ins elsässische Struthof in den Vogesen. Dort behandelten ihn SS-Ärzte wegen einer Verletzung. Irgendwann gegen Kriegsende gelangte er über das KZ Dachau auf Umwegen nach Hof. Über sein weiteres Schicksal hier ist wenig bekannt. Wie wurde er hier aufgenommen;  hat er jemals eine Wiedergutmachung erhalten?

Wer Bruno Splitt kannte oder etwas zur Erforschung seiner Biografie wissen sollte, wende sich bitte an unsere Kreisorganisation. Wir leiten die Infos gern weiter.

Dem Forschungsprojekt – einer fachübergreifenden Forschungskooperation zwischen der Universität Straßburg und der Charité in Berlin – können wir nur viel Erfolg wünschen.

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