Gedenken an 5 Jahre Stolpersteinlegung

13. August 2020

VVN-BdA kurz vor und nach der Sommerpause: Erinnerung an fünf Jahre Stolpersteinlegung und an den 112. Geburtstag von Rosa Opitz

Fest verknüpft mit der Erinnerungsarbeit an den Widerstand in Hof sind die Namen Hans Merker (KPD) und Rosa Opitz (SPD).

Eine junge Kameradin putzt den Stolperstein für den kommunistischen Hofer Widerstandskämpfer Hans Merker anlässlich des Gedenkens am 30. Juli 2020.

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Stolpersteinlegung für den Nazigegner Merker kam eine beachtliche Runde von Antifaschistinnen und Antifaschisten auf Einladung von VVN-BdA und DKP Hof zu einem kurzen Gedenken an der Messingplakette im Gehsteig der Döbereinerstraße 12, dem einstigen Wohnsitz von Merker und seiner Frau Anna, zusammen.

Der Hofer DKP-Vorsitzende Randolph Oechslein erinnerte daran, dass die Initiative für diesen Stolperstein aus der AG „Schule ohne Rassismus – mit Zivilcourage“ des Jean-Paul-Gymnasiums hervorging. Kamerad Oechslein, der seit Jahren zur Biografie Merkers forscht, machte auf die fatale Kontinuität rechten Terrors seit der Weimarer Republik bis in die Gegenwart aufmerksam.

Schon vor 1933 hätten Nazigegner wie Merker vor Kriegsvorbereitung und Hochrüstung gewarnt, sagte die Kreisvorsitzende der VVN-BdA, Eva Petermann. „Nie wieder Krieg“ sei in der Tat hochaktuell, auch die Pläne seitens des Verteidigungsministeriums zur Einführung neuer, bewaffneter Kampfdrohnen. Sie sprach sich für weltweite Abschaffung aller Atomwaffen aus, auch mit Blick auf die Jahrestage der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki Anfang August.

Abschließend forderte Janson Damasceno, Kreisvorsitzender der Partei DIE LINKE, mit Nachdruck die Auflösung rechtsterroristischer Netzwerke in Polizei und Bundeswehr, nicht zuletzt angesichts der Anschläge von Hanau, Halle und Kassel.

Mit dem Gedenken am Stolperstein verabschiedete sich der VVN-BdA-Kreisvorstand in die Sommerpause. Im September soll es weitergehen u.a. mit einer weiteren Rosenpflanzung am 14.9. im Zusammenhang mit dem „work in progress“ „Rosen für Rosa“ auf der Grünanlage im „Vertel“ . Bekanntlich erhielt diese vor zwei Jahren nach einer dynamischen Unterschriften-Kampagne, initiiert von Eva Petermann und vor allem getragen von Hofer Frauen, und nach einstimmigem Stadtratsbeschluss den Namen Rosa-Opitz-Platz, zu Ehren der beherzten Nazigegnerin und späteren SPD-Stadträtin.

Für Ende September plant die Kreisvereinigung eine Studienfahrt zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora nahe Nordhausen. Dieses KZ war das letzte von den Nazis gegründete KZ-Hauptlager. Es steht exemplarisch für die mörderische Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie. Dort können das Gelände mit Appellplatz und Krematorium sowie eine Filmdoku mit Originalaufnahmen von der Befreiung des KZ bzw. die sehr aussagestarke Dauerausstellung angesehen werden.

Ob die Stollenanlage im Kohnstein geöffnet wird, ist aus Infektionsschutzgründen unsicher. Hier hatten Wernher von Braun und u.a. auch der Ingenieur Günter Fuchs aus Schwarzenbach/Saale an der Konstruktion der V2-Rakete gearbeitet. Unzählige KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene bezahlten hier für die größenwahnsinnigen Weltmachtpläne des NS-Regimes mit dem Leben.

Auf dem Rückweg der Studienfahrt, die von „Demokratie leben“ und dem DGB Kreis Hof gefördert wird, gibt es in einen Zwischenstopp am Bahnhof von Roßla, wo Hans Merker bei seiner Flucht vom Transportwaggon ermordet wurde.

Die Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora findet statt am Samstag, 26. September ; Abfahrt ca. 7.30 Hof Freiheitshalle; Rückkehr spätestens 20 Uhr; Teilnehmerbeitrag: 10 Euro; ermäßigt 5 Euro. Die Durchführung steht unter dem Vorbehalt der aktuellen Pandemie-Situation. ANMELDUNGEN bitte möglichst bis 5. September 2020 bei Eva Petermann persönlich oder über die Homepage der Kreisvereinigung: https://hof.vvn-bda.de/

Aktuelle Meldung : Erfolg der Proteste: Freistaat klagt gegen Verweigerung der Revision! VVN-BdA empört über Gerichtsurteil zu einstigem Oberprexer Nazi-Treffpunkt / “Fatal falsches Signal“

27. Juli 2020

Scharfe Kritik übt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel an der Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zu dem einstigen Neonazitreffpunkt in Oberprex.
Zwar räumen die Münchner Richter ein, dass im Prinzip eine „Einziehung im Rahmen eines Vereinsverbots unter engen Voraussetzungen zulässig“ sei. Schließlich stand, so die VVN-BdA, auch das „Gemeinwohl“ der Gemeinde Regnitzlosau auf dem Spiel, wie es in Art. 14 und 15 des Grundgesetzes, den Enteignungsparagrafen, angesprochen ist.

Den Ausschlag aber gab anscheinend ausgerechnet eine Einschätzung aus dem eigenen Hause, durch den bayerischen Verfassungsschutz: Die Neonazikameradschaft sei dermaßen konspirativ vorgegangen, dass der Hausherrin eine Kenntnis von „der Nutzung durch das mittlerweile verbotene Freie Netz Süd (FNS)“ nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei. Für den VVN-BdA-Kreisvorstand „angesichts des jahrelangen Treibens in dem Anwesen eine nahezu absurde Fehleinschätzung.“ Diese stehe überdies im direkten Widerspruch zu früheren Aussagen der Behörde selbst.

Vor fast genau zwei Jahren wurde jene „Beschlagnahmung und Einziehung“ vom Verwaltungsgericht Bayreuth juristisch abgesegnet. Thomas Etzel, stellvertretender VVN-Vorsitzender, zitierte die damalige Bewertung des Innenministeriumsvertreters vor Gericht: Die Schutzbehauptung der Vermieterin, wenig mitbekommen zu haben, nannte dieser seinerzeit „völlig lebensfremd“. Obendrein, so die Aussage der beklagten Behörde, habe seinerzeit das Landratsamt in Hof Gentschs Mutter extra angeschrieben, um sie auf die verfassungswidrigen Aktivitäten hinzuweisen.

Nicht zuletzt angesichts der Mordanschläge in Halle, Hanau und Kassel, des gefährlichen Erstarkens des AfD-„Flügels“, angesichts von Nazi-Netzwerken bei Bundeswehr und Polizei usw. „setzt das Urteil von München ein fatal falsches Signal.“ Die Landesregierung müsse gegen die Nichtzulassung der Revision baldmöglichst Beschwerde einlegen. Das werde „der Prüfstein dafür sein, wie ernst die öffentlichen Beteuerungen gegen den Rechtsterror zu nehmen sind“, erklärt der VVN-BdA-Kreisvorstand abschließend.

(Aus der Pressemitteilung der VVN-BdA vom 14.7.20)


Doppeltes Gedenken zum Tag der Befreiung in Hof am 8. und 9. Mai

12. Mai 2021

Kundgebung am Samstag, 8. Mai, auf dem nach dem katholischen Nazigegner Bernhard Lichtenberg benannten Platz vor der Marienkirche in Hof; rechts auf dem Foto Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender Kreisvorsitzender der VVN-BdA Hof-Wunsiedel
Im Anschluss an die Veranstaltung am Sonntag, 9. Mai, schmückten die Versammelten die Gräber sowjetischer Soldaten bzw. von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf dem Hofer Friedhof.

In Hof gab es in diesem Jahr ein doppeltes Gedenken: Nicht nur kamen Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), der Partei Die Linke und der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Hof zum seit Jahren traditionellen Gedenken an die Hofer Widerstandskämpfer um Hans Merker auf dem Friedhof zusammen. Zu diesem hatte in diesem Jahr erstmalig auch der Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit aufgerufen.

Wegen eines kurzfristig bekannt gewordenen „Querdenker“- Auftritts in der Fußgängerzone hatte Janson Damasceno da Costa de Silva, Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat der Linkspartei, zusammen mit VVN-BdA und DKP Hof, unterstützt vom DGB-Kreisvorstand, kurzfristig eine Gegendemo, ebenfalls in der Fußgängerzone, initiiert, gemeinsam mit demselben Bündnis. Es gelte, „ein klares Zeichen gegen Faschismus und rechte Hetze zu setzen“, so der Aufruf, und „ein Angebot für Solidarität und Antifaschismus zu schaffen.“

In ihren Redebeiträgen – von dem DGB-Kreisvorsitzenden Bernd Köhler, dem Hofer Stadtrat Thomas Etzel, der VVN-Kreisvorsitzenden Eva Petermann sowie Janson Demasceno – wurde vor Geschichtsvergessenheit und Rechtsterror gewarnt.. Versuche der „Corona-Leugner“, antifaschistische Vorbilder wie Sophie Scholl oder Anne Frank für sich zu vereinnahmen, nannten sie eine „groteske Geschichtsverfälschung“. Dass demagogische Forderungen insbesondere von der AfD und neonazistischen Splittergruppen heute wieder auf fruchtbaren Boden träfen, habe nicht zuletzt damit zu tun, dass die durch die Pandemie noch verschärften brennenden sozialen Fragen nicht konsequent angepackt würden.

Viel Beifall in der buntgemischten Runde, der sich auch die Oberbürgermeisterin Eva Döhla angeschlossen hatte, fand die Forderung, den 8. Mai zum offiziellen Feiertag zu machen.

Dass die Befreiung vom Faschismus mit unsäglich vielen Opfern erkämpft wurde, stand am Sonntag im Vordergrund, auch im Hinblick auf den 80. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Dies müsse für immer im Gedächtnis eingegraben bleiben, mahnte Oberbürgermeisterin Eva Döhla in ihrer bewegenden Ansprache. Vor dem Gräberfeld im hinteren Teil des Hofer Friedhofs mit den Gräbern „unbekannter russischer Soldaten“ betonte sie, wie wichtig es sei, sich konsequent für Frieden, Versöhnung und demokratische Rechte einzusetzen..

Randolph Oechslein von der DKP Hof erinnerte an Hitlers „Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa“ von 1940, „Sowjetrußland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“. 1945 war Europa dann ein Trümmerfeld. Mehr als 60 Millionen Menschen, darunter 27 Millionen Sowjetbürger, bezahlten die Weltherrschaftspläne der Nazis mit ihrem Leben. Oechslein berichtete von einer Reise in die ehemalige Sowjetunion, an der er in den 80er Jahren zusammen mit einer Reihe Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch aus der Hofer Region teilgenommen hatte. Ihn hatten nicht nur die Gedenkstätten an Massenmorde von SS und Wehrmacht tief beeindruckt, sondern besonders auch die Versöhnungsbereitschaft der Russen.

In weiteren Redebeiträgen, u.a. von Janson Damasceno, wurde auf die Gefahr hingewiesen, wie der zur Zeit stattfindende Kalte Krieg aus Aufrüstung und neuen Feindbildern – aktuell Russland und China – schnell in eine tatsächliche, auch mit Nuklearwaffen ausgetragene Konfrontation umschlagen könne. Abschließend schmückten die Versammelten die Gräber-Reihen mit roten Nelken.

Auf dem Rückweg gab es einen kurzen Halt am Ehrengrab für die drei von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer der KPD. Ihr Tod sei Verpflichtung, so Eva Petermann, sich nicht desorientieren und auseinander dividieren zu lassen. „Noch nachdrücklicher wollen wir gemeinsam für die Hoffnungen und Vorsätze des 8. Mai 1945 eintreten“, wie damals die befreiten Buchenwald-Häftlinge es sich geschworen hatten: „Für eine Welt des Friedens und und der Freiheit“.

Erstmals seit 20 Jahren Ostermarschaktion in Hof

6. April 2021

Erstmals seit mindestens 20 Jahren gab es auch in Hof (Saale) ein zwar kurzfristig organisiertes, aber dennoch recht breites Bündnis aus DGB Kreisverband Hof, dem Antifa-Bündnis „Hof ist bunt“, der GEW Hof-Wunsiedel und der VVN-BdA Hof-Wunsiedel. Auch die IG Metall Ostoberfranken unterstützte die Ostermarschaktion. Eine Demonstration war nicht genehmigt worden angesichts der extrem hohen Inzidenzwerte in der Stadt. So trafen sich denn gut 30 Menschen (die Teilnehmer-Höchstgrenze gemäß „Notbremsen“-Auflage) – Alt und Jung – zu einer einstündigen Kundgebung im Wittelsbacher Park.

Bernd Köhler (DGB Kreisverband Hof) und Eva Petermann (VVN-BdA )
im Wittelsbacher Park neben dem „Sämann des Krieges“ am Ostersamstag

Redebeiträge kamen von Janson Demasceno für „Hof ist bunt“, der auf die weltweiten Zusammenhänge von Hochrüstung und Kriegen, Klimawandel, Flucht und Armut hinwies und internationale Solidarität einforderte. Des Weiteren sprachen Randolph Oechslein, der als sehr kenntnisreicher Lokalhistoriker eine Menge über das düstere Kriegerdenkmal-Ensemble zu sagen hatte, sowie Bernd Köhler, DGB – Kreisvorsitzender, und die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann.

Die VVN-BdA ruft auf, den Wittelsbacher Platz zu einem Ort des Friedens umzugestalten und dabei konkret mit einer entsprechenden Inschrift zu Füßen des unseligen „Sämanns“ zu beginnen.

Bernd Köhler vom DGB kommentierte die „Vision für eine friedliche Zukunft“ aus dem Hofer Aufruf „Lockdown für die Rüstung“. Kriege und seine Folgen hätten seit jeher in erster Linie die arbeitenden Menschen, nicht zuletzt die Gewerkschaftsmitglieder, auszubaden, während insbesondere die Rüstungsindustrie schwindelerregende Profite einfahre.

Für eine friedliche Verständigung der Völker; Kooperation ersetzt die Konfrontationspolitik! Deutschland unterzeichnet und ratifiziert den Aromwaffenverbotsantrag!“ (Aus dem Hofer Aufruf)

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg !

„Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar.Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“ (Bertolt Brecht, 1952)

Ostermarschkundgebung in Hof

27. März 2021

Erstmalig seit vielen Jahren findet in Hof in diesem Jahr wieder ein Ostermarsch statt, am 3. April – leider wegen der Pandemie-„Notbremse“ nur in reduzierter Form, als Kundgebung. Auch die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Aber es ist immerhin ein Anfang!

Außer der VVN-BdA Hof-Wunsiedel rufen auf: DGB Kreisverband Hof; „Hof ist bunt“; GEW Kreisverband Hof-Wunsiedel

AUFRUF: Lockdown für die Rüstung

Aktuell fordert die Covid-Pandemie die Staatshaushalte. Klimaschutz, Bildung, sozialer Wohnungsbau und industrieller Wandel benötigen dringend mehr Ressourcen. Trotzdem möchte die Bundesregierung in Zukunft 2 % des Bruttoinlandproduktes für Militär verwenden. Die Gründe werden manchmal sogar öffentlich genannt: Rohstoffe, Märkte und weltpolitische Geltung.

Jeder Euro, der beim Militär gespart wird, ist gut für die Umwelt, erhöht die Sicherheit und die Lebensqualität für uns und die nachfolgenden Generationen.

Unsere Vision für eine friedliche Zukunft:

 Deutschland unterzeichnet und ratifiziert den Atomwaffenverbotsvertrag.

 Die Bundeswehr beendet ihre Auslandseinsätze.

 Deutschlands Außenpolitik dient der friedlichen Verständigung der

Völker. Kooperation ersetzt die Konfrontationspolitik.

 Drohnen bleiben der Wissenschaft, den Modellfliegern und den

Fotografen überlassen.

Die VVN-BdA fordert:

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Teilerfolg bei der Gemeinnützigkeit!

27. März 2021

Eine gute Nachricht vom VVN-Bundesvorstand in Berlin: Die Gemeinnützigkeit soll wieder gelten, allerdings (noch) nicht uneingeschränkt und mit einer teils seltsamen Begründung. Die Gemeinnützigkeit könne nun „nach eingehender Prüfung“ gewährt werden, da die Bundesvereinigung der VVN-BdA im Jahr 2019 im Verfassungsschutzbericht nicht mehr als „extremistische Organisation“ eingestuft sei. Letzteres ist genauso dubios wie die vorherige (gegenteilige) Behauptung: Weil die VVB-BdA im bayerischen VS-Bericht als extremistisch aufgeführt werde, sei ihr die Gemeinnützigkeit in Berlin entzogen worden.

Im bayerischen „Verfassungsschutzbericht 2019“ steht: „Die VVN-BdA ist die bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus.“ (unter: Die VVN-BdA Bayern; Bericht S. 260).

Wie auch immer: Auch als Kreisvereinigung VVN-BdA Hof-Wunsiedel bedanken wir uns bei allen, die uns unterstützt haben, für die großartige Solidarität – nicht zuletzt durch Neueintritte und Spenden. Weiterhin allerdings werden wir gemeinsam dafür kämpfen, dass diese vom Geheimdienst (VS) verbreitete Diskriminierung unserer Organisation und damit des Antifaschismus insgesamt endlich aufhört!

Die Wolf-Weil-Straße ist da!

27. Februar 2021

Im November hat der Hofer Stadtrat die Umbenennung beschlossen; ab 1. Januar trat der Beschluss in Kraft. In diesen Tagen hat das Votum des höchsten Gremiums der Stadt nun auch sichtbare Gestalt angenommen: Auf dem Stadtplan googeln kann man die Wolf-Weil-Straße bereits. Außerdem haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs jetzt auch die neuen Straßenschilder an Ort und Stelle gebracht, unweit des Jüdischen Friedhofs. Die „Hohe Straße“ wurde nach oben versetzt und beginnt nunmehr einige hundert Meter weiter oben.

Die VVN-BdA hatte sich seit mehr als fünf Jahren für eine solche Ehrung für den ersten Hofer Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde nach 1945 stark gemacht. Thomas Etzel, Stadtrat der Linkspartei und stellvertretender VVN-BdA-Kreisvorsitzender, bedankte sich bei der Stadt Hof. „Nun sind wir gespannt auf die offizielle Einweihungszeremonie, die dann hoffentlich im Sommer in würdiger Form stattfinden kann.“

Schließlich ist eine solche Umbenennung keineswegs alltäglich, 33 Jahre nach dem Tod des einstigen „Schindlerjuden“ Wolf, genannt Wowek, Weil am 12. März 1988. Bis zuletzt übte er sein Amt als Vorsteher der jüdischen Gemeinde aus, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Alfreda, auch sie eine Überlebende des Holocaust. Sie starb hochbetagt vor einem Jahr in Hof.

Weils Nachfolger wurde Leon Gonczarowski, dem in Moschendorf vor knapp fünf Jahren ebenfalls eine Straße gewidmet wurde. Wie Wolf Weil war er dem Holocaust entkommen und hatte sich nach der Befreiung in Hof niedergelassen. „Beide Persönlichkeiten haben für die Entwicklung unserer Stadt eine bedeutende Rolle gespielt“, sagte die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann, „das sollte sich auch im äußeren Erscheinungsbild der Stadt widerspiegeln – gut so!“

Gedenken an Rosa Opitz an ihrem 20. Todestag

4. Februar 2021

Stadtrat Thomas Etzel (Die Linke) freut sich über die Übergabe eines Fotos der
jungen Rosa Völkel (Opitz) durch die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann (rechts) an die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla (links) auf dem Rosa-Opitz-Platz. Foto : Randolph Oechslein

Anlässlich des 20. Todestages der Hoferin Rosa Opitz (geb. Völkel) am 3. Februar 2001 erinnerte die VVN-BdA Hof-Wunsiedel in kleiner, aber feiner Runde – darunter die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla, Stadtrat Thomas Etzel und Kreisrätin Nanne Wienands – an das Leben der Widerstandskämpferin. Auf dem seit drei Jahren so benannten Rosa-Opitz-Platz ging die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann diesmal vor allem auf die jungen Jahre der späteren SPD-Stadträtin ein. Lebenslustig und tatkräftig sei die in vielen Bereichen Engagierte gewesen: Sie gewann Preise bei Turnwettbewerben und gestaltete kleine Theateraufführungen und Vorträge. Ganz abgesehen davon war sie früh bei der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) aktiv und wurde bald als politisches Nachwuchstalent von der SPD entdeckt und gefördert – bis die Nazis 1933 abrupt auch in ihr Leben eingriffen.

Rosa Opitz kommt noch einmal ins Rathaus!

Von ihrem einzigen Sohn, Helmut Opitz (geboren 1939), der heute in Südbayern lebt, wo seine Mutter auch begraben ist, erhielt die VVN-BdA ein ganz besonderes Foto. Es zeigt Rosa Völkel als 20-jährige flotte junge Frau. Das vergrößerte und gerahmte Bild übergab Eva Petermann an Oberbürgermeisterin Eva Döhla, die sichtlich überrascht und bewegt war. „Rosa Opitz war selbst lange Zeit im Rathaus als Stadträtin“, sagte Eva Petermann, „und auch deswegen passt doch auch dieses Bild sehr gut dorthin.“ Gerade weil ihr Lebensmotto in schwierigen Zeiten gewesen sei: „Man kann immer etwas tun.“ OB`ín Döhla (SPD), seit knapp einem Jahr im Amt als erste weibliche Oberbürgermeisterin in Hof, stimmte ausdrücklich zu und versprach, das Porträt im Rathaus aufzuhängen.

Antifaschistischer Jahresauftakt in Hof: Gedenken an Hans Merker

13. Januar 2021

In kleinem Kreise gedachten am 5. Januar Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender Kreisvorsitzender der VVN-BdA Hof-Wunsiedel, zusammen mit der VVN-BdA-Kreisvorsitzenden Eva Petermann und dem Vorsitzenden der DKP Hof, Randolph Oechslein, des kommunistischen Widerstandskämpfers Hans Merker. Auch die Stadt Hof hatte dessen Todestag nicht vergessen und einen Kranz aufstellen lassen.

Foto: Dirk John

Der Grabstein wie auch die ganze Grabstätte, in der auch die ebenfalls von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Erwin Klein und Philipp Heller ihre letzte Ruhe gefunden haben, war im vergangenen Winter sorgfältig restauriert worden.

Allen Mitgliedern und Freundinnen und Freunden der VVN-BdA wünschen wir einen guten Start ins Neue Jahr – Gesundheit, Frieden und weiterhin viel Mut, sich einzumischen für die dringend notwendigen Veränderungen!

28. Dezember 2020

Bertolt Brecht

Das Lied von der Moldau (Musik : Hanns Eisler)

Am Grunde der Moldau wandern die Steine,
es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht
und klein nicht das Kleine,
die Nacht hat zwölf Stunden,
dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten,
die riesigen Pläne
der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und geh’n sie einher auch wie blutige Hähne,
es wechseln die Zeiten,
da hilft kein Gewalt.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine,
es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht
und klein nicht das Kleine,
die Nacht hat zwölf Stunden,
dann kommt schon der Tag.

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Den Text schrieb Bert Brecht 1944 im Exil. Sein Freund, der Komponist Hanns Eisler, musste ebenfalls emigrieren. Beide gingen nach der Befreiung nach Berlin (Ost).

„Hof ist bunt, nicht braun“ zu Corona-Demos in Hof

28. November 2020

„Wehret den Anfängen!“

In einer Erklärung hat das Bündnis „Hof ist bunt nicht braun“ seine große Besorgnis angesichts des jüngsten Auftritts von ca. 50 – 60 „Corona-Skeptikern“ in der Saalestadt geäußert.

„In Hof demonstrierten am vergangenen Samstag Menschen gegen ihrer Meinung nach unverhältnismäßige Vorgaben und Verbote im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Die Demonstration stand unter dem Motto „Hof steht auf“. Aber repräsentiert die dahinter stehende Gruppe wirklich die Mehrheitsmeinung der Hofer Bevölkerung?

Der moderate Auftritt sollte nicht täuschen: Teilnehmende dieser Aktion trugen Aluhüte, ein Symbol für Verschwörungstheoretiker. Manche trugen Mundschutz-Masken, auf denen das Wort „Diktatur“ zu lesen war. Symboliken, die wir bereits von anderen Demonstrationen kennen und die uns zu denken geben.

Eine Distanzierung von den teils skurrilen Auftritten bei den sogenannten „Querdenker“-Demos in Berlin oder Leipzig war in Hof nicht zu vernehmen. In diesen Städten bestimmte ein krudes Sammelsurium aus Faschisten, die zum „Sturm auf den Reichstag“ aufriefen, zusammen mit Verschwörungstheoretikern und Holocaustleugnern, das Bild.

Wir machen uns Sorgen, dass diese Entwicklung auch bei der Gruppe „Hof steht auf“ bevorstehen könnte. Wehret den Anfängen!

Wir stellen klar: Kritik an staatlichen Maßnahmen ist legitim und ein hohes Gut in einer Demokratie. Jedoch wenn es um den Schutz von Grundrechten geht, dann steht das Menschenrecht auf Leben an vorderster Stelle. Und der Gesundheit der gesamten Bevölkerung muss allerhöchste Priorität zukommen.“

Erklärung des Bündnisses „Hof ist bunt nicht braun“ vom 25. November 2020

Hofer Stadtrat beschließt Wolf-Weil-Straße – fast einstimmig

31. Oktober 2020

Ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus,

ein Signal der Versöhnung

Ein Jahr ist es jetzt her, dass Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender VVN-BdA-Kreisvorsitzender, den Antrag in den Stadtrat eingebracht hat: Darin forderte er eine öffentliche Ehrung von Wolf Weil, dem ersten Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde in Hof, in Form einer Straßenbenennung. Der ursprünglichen Vorschlag der VVN-BdA, die Straße vor der ehemaligen Synagoge, die Hallstraße umzubenennen, mochte sich die Stadtverwaltung nicht anschließen. Doch der Gedanke, den jüdischen Friedhof „einzurahmen“ durch einerseits die nach dem ersten jüdischen Landtagsabgeordneten Dr. Fischel Arnheim benannte Straße und zur anderen Seite einer Wolf-Weil-Straße (jetzt noch Hohe Straße) fand große Zustimmung, nicht zuletzt bei den Anwohnern. Von dort ist es übrigens gar nicht weit zur Graf-Stauffenberg-Straße.

In der öffentlichen Stadtratssitzung begründete Thomas Etzel den Antrag, dem sich zuvor auch schon die Mitglieder des Bauausschusses angeschlossen hatten. Bei der Abstimmung dann einhellige Zustimmung – fast. Zwei waren dagegen, rechts hinten in der Ecke. Ihre Gründe mochten sie nicht verraten, die zwei Herren von der AfD. Warum wohl?

„Hof setzt ein klares Zeichen gegen Rechts“, erklärt Eva Petermann vom VVN-BdA Kreisvorstand, „ein Zeichen gegen Antisemitismus und jedweden Rassismus und nicht zuletzt ein Signal der Versöhnung 75 Jahre nach dem Ende der verbrecherischen Nazidiktatur.“

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