Vor 80 Jahren erschien „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers

5. Januar 2022

Der weltberühmte antifaschistische Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers erschien erstmals 1942, allerdings zunächst nur auf Englisch. Bald wurde er verfilmt, vielfach übersetzt, zu einem Theaterstück umgeschrieben. In der DDR war das Werk dieser Autorin vieler Erzählungen, Essays und Romane, u.a. „Transit“, deren 120. Geburtstag 2020 begangen wurde, Schullektüre.

Für Millionen Leser und Leserinnen auf der ganzen Welt war der überaus spannende Roman über die erfolgreiche Flucht eines KZ-Häftlings d a s Dokument des antifaschistischen Widerstands gegen die NS-Diktatur.

„Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können bis in sein Innerstes; aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.“

Dies ist eine der am meisten zitierten Passagen – Anna Seghers` zutiefst humanistische Botschaft, dass auch in den härtesten Zeiten, in Zeiten von Lügenpropaganda, Verschwörungsideologien, Rassenhass und Kriegshetze, der Mensch gut sein kann, sich seine Menschlichkeit bewahren kann.

„Und wenn er (Georg Heisler, der Protagonist) auch nur noch die Kraft für eine einzige winzig kleine Bewegung hatte, auf die Freiheit hin, wie sinnlos und nutzlos diese Bewegung auch sein mochte, er wollte diese Bewegung doch noch gemacht haben.“

Ein gutes Neues Jahr wünschen wir allen Mitgliedern und allen Leserinnen und Lesern dieser Homepage!

We shall overcome. Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg! Organisiert euch in der VVN-BdA!

Wunsiedel: Mummenschanz der Nazis am Kriegerdenkmal

17. November 2021

Gute Mobilisierung des Anti-Nazi-Bündnisses, aber scharfe Kritik an Behörden

„Grotesk-gruselig wie eine Halloween-Gruppe, aber leider weder lustig noch harmlos“, erklärt der Kreisvorstand der VVN-BdA Hof-Wunsiedel zum „Nazi-Mummenschanz“ am Kriegerdenkmal in Wunsiedel am vergangenen Samstag. „Man kann dies für ein lächerliches Spektakel von Verblendeten halten, die ihren Lebenssinn in einer Verklärung des Faschismus sehen und seine Rituale nachspielen,“ so die Kreisvorsitzende Eva Petermann in der VVN-BdA-Pressemitteilung. Hinzunehmen sei es keineswegs.

Durch Versammlungsrecht gedeckt?

Musste der CSU-Landrat ein solches „Heldengedenken“ zuzulassen? Konnte die diesmal „nahezu allgegenwärtige Polizei nicht doch Auflagen durchsetzen und klar verfassungswidrige Handlungen unterbinden?“

„Die Behörden haben hier versagt. Der Landrat wie auch der Bürgermeister, beide CSU, müssen sich überdies den Vorwurf gefallen lassen, das Bündnis „Wunsiedel ist bunt“ an der Nase herumgeführt zu haben. Welche Botschaft sendet dies wohl an die engagierten Nazigegner und -gegnerinnen, vor allem an die jungen Menschen unter ihnen?“

Mittlerweile stellt sich mehr und mehr heraus, dass die ebenfalls angemeldete Demonstration von mehreren hundert vorwiegend junger Antifas am Bahnhof von der Polizei festgehalten und nicht gerade zimperlich behandelt wurde. Demgegenüber konnte die braune Helden-Show am Denkmal weitgehend ungestört inszeniert werden.

Demgegenüber betont die VVN-BdA: „„Heil“-Rufe und Verherrlichung von faschistischen Generälen als „Helden“ waren und sind durch die Meinungsfreiheit selbstverständlich nicht gedeckt. Zu Recht wurden doch vor Jahren die Aufmärsche für den Kriegsverbrecher und Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel blockiert und schließlich verboten.

VVN-BdA will Konsequenzen und hat einen Vorschlag zur Erinnerungskultur

„Gut gemeinte Appelle allein, sich für Toleranz, Antirassismus und demokratische Recht zu engagieren, sind nie verkehrt, greifen aber in diesem Fall entschieden zu kurz. „In den durchaus guten und kämpferischen Beiträgen auf den Gegenveranstaltungen eines breiten Bündnisses einschließlich der Gewerkschaften „spielte die Frage von Militarismus und Kriegsverharmlosung und -verherrlichung und damit Verklärung der Weltherrschaftspläne der NS-Diktatur bestenfalls indirekt eine Rolle.“

Um welche „Heldentaten“ gehe es denn? „Um den Völkermord an für rassisch minderwertig erklärten slawischen Menschen im Osten!“ Und die VVN-BdA-Vorsitzende fragt: „Ist der sog. „III.Weg“ allen Ernstes stolz auf diesen Vernichtungsfeldzug gegen die von Hitler so genannte `jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung`?“ Ein derartig geschichtsvergessenes Auftreten müsse doch in aller Schärfe angeprangert werden.

Dass indes zuvor hunderte Demokratinnen und Demokraten, unter ihnen auch nicht wenige VVN-BdA-Mitglieder, trotz Pandemie-Einschränkungen am Samstag auf den Beinen waren und sich schon Wochen davor in vielfältiger Weise eingesetzt haben – das bleibt dennoch ein großer Erfolg. Allerdings werden jetzt alle Beteiligten über Konsequenzen für die Zukunft nachdenken, „alle, die es ernst meinen mit dem Antifaschismus.“

Hier stelle sich, so die VVN-BdA, nicht zuletzt eine Frage zur Erinnerungskultur: „So beeindruckend der innerstädtische, bunte Mosaik-Obelisk für Toleranz und friedliches Zusammenleben an der Ecke Ludwigstraße sein mag, verlockt nicht das steinerne Kriegerdenkmal am Katharinenberg mit seinem riesigen Eisernen Kreuz geradezu als – neuer – Wallfahrtsort für Nazis?“

Warum sollte das bunt-kreative Wunsiedel nicht auch hier einmal aktiv werden? „Stellen wir uns einmal vor, obendrauf auf dem Steinblock säße eine weithin sichtbare blau-weiße Friedenstaube. So ginge von diesem luftigen Ort an der Peripherie eine deutliche Botschaft des „Kein Platz für Nazis“ aus, als Mahnmal für den Frieden.“

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

50 Jahre Berufsverbote und kein Ende?

19. Oktober 2021

Bundesweite Unterschriftensammlung:

Berufsverbote endlich aufarbeiten – Betroffene rehabilitieren und entschädigen!

In dem von der Landesvorsitzenden Martina Borgendale unterzeichneten Aufruf der GEW Bayern zum 50. Jahrestag des sog. „Radikalenerlass“ ruft die Bildungsgewerkschaft auf:  Unterstützt die Unterschriftensammlung der Betroffenen!

Es heißt in dem Aufruf u.a.:

Im Januar „1972 verabschiedeten die Ministerpräsidenten der Länder unter dem Vorsitz von Willy Brandt den Extremistenbeschluss.

In seiner Folge wurden ca. 3,5 Millionen Bewerber*innen für den öffentlichen Dienst überprüft. Wer vom Verfassungsschutz als „Radikaler“ oder „Verfassungsfeind“ eingestuft wurde, wurde aus dem öffentlichen Dienst entfernt oder erst gar nicht eingestellt.“

Wie viele und wer war betroffen?

„Bundesweit wurden 11.000 Berufsverbote ausgesprochen, 2.200 Disziplinarverfahren geführt, 1.256 Bewerbungen abgelehnt und 265 Personen entlassen. Betroffen waren vor allem Kommunist*innen, andere Linke und Gewerkschafter*innen. In Bayern auch Sozialdemokrat*innen und Engagierte der Friedensbewegung.“

Gegen Verfassung und gegen Menschenrechte

„Die Berufsverbote stehen im Widerspruch zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und den Kernnormen des internationalen Arbeitsrechts, wie die ILO seit 1987 feststellt. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte 1995 die Praxis der Berufsverbote.

Das Aussprechen von Berufsverboten hat die Berufsbiographien vieler Kolleg*innen in der GEW nachhaltig geprägt. Und auch heute gibt es gelegentlich noch Fälle, in denen junge Kolleg*innen unter Druck gesetzt werden, weil sie zu systemkritisch sind.

Was fordern wir gemeinsam mit den Betroffenen?

Es ist an der Zeit,

1.    den „Radikalenerlass“ generell und bundesweit offiziell aufzuheben,

2.    alle Betroffenen voll umfänglich zu rehabilitieren und zu entschädigen,

3.    die Folgen der Berufsverbote und ihre Auswirkungen auf die

       demokratische Kultur wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Eure Unterschrift könnt Ihr online unter www.berufsverbote.de leisten.

Bitte zeigt Euch solidarisch mit unseren Kolleg*innen und unterstützt ihr wichtiges Anliegen!

Bundesweite Unterschriftensammlung Berufsverbote endlich aufarbeiten – Betroffene rehabilitieren und entschädigen!

19. Oktober 2021

VVN-BdA-Bundessprecher Dr. Ulrich Schneider in Hof – Vortrag zu neuer Publikation über Antisemitismus in der NS-Diktatur

24. August 2021

Anlässlich der Jahreshauptversammlung der VVN-BdA stellte Ulrich Schneider (Kassel) sein neuestes Buch „Antisemitismus im Dritten Reich“ vor. Seine sehr lebendige und fundierte Präsentation ergänzte er mit einer Reihe von weniger bekannten Details dazu, wie es im Faschismus nach jahrhundertealter, v.a. religiös motivierter Judenausgrenzung zum systematischen Massenmord kommen konnte.

In der anschließenden Diskussion ging es u.a. um den Vorwurf des „linken“ Antisemitismus. Schneider, der auch Generalsekretär der FIR ist, betonte nachdrücklich, dass Kritik an der Politik des Staates Israel keineswegs gleichzusetzen sei mit Antisemitismus.

VVN-BdA-Bundessprecher Dr. Ulrich Schneider (Kassel) bei seinem Vortrag in Hof anlässlich der diesjährigen Jahreshauptversammlung der VVN-BdA Hof-Wunsiedel

Vorher hatten die Versammelten in großer Einstimmigkeit den Vorstand gewählt: Wiedergewählt wurden Eva Petermann und Stellvertreter Thomas Etzel sowie Ulrike Dierkes-Morsy als Beisitzerin sowie die Kassiererin Regina Scholz. Neu hinzu kam Petra Grimm als zweite Beisitzerin, die seit einiger Zeit bereits im Vorstand mitgearbeitet hatte.

Unvergesslich: Esther Bejerano in Hof am 6. März 2016

13. Juli 2021

Wir trauern um Esther Bejerano und sind gleichzeitig unendlich froh, dass wir sie hier im Konzert erleben und persönlich kennenlernen durften.

Das Foto (R. Oechslein) zeigt Esther Bejerano zusammen mit ihrem Sohn Joram und der Microphone Mafia bei ihrem Auftritt im Hofer Haus der Jugend am 6. März 2016, organisiert von „Hof ist bunt, nicht braun“ und der VVN-BdA Hof-Wunsiedel.

Wir trauern und versprechen, ihren Auftrag zu erfüllen, wie er in dem Aufruf des Auschwitz-Komitees zitiert wurde:

„Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht. Seid solidarisch! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!“

Offizielle Straßenwidmung Wolf-Weil-Straße am 9. Juli 2021

12. Juli 2021

Eine langjährige Forderung der VVN-BdA ist erfüllt! Am 9. Juli fand der offizielle Festakt der Stadt Hof zu der Straßenumbenennung statt unter großer Beteiligung von Hofer Bürgerinnen und Bürger, einschließlich Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde sowie dem zweiten Sohn Wolf Weils, Heinrich, und seiner Frau Christine, die eigens aus Südbayern angereist waren.

Die Feier begann auf dem Jüdischen Friedhof (siehe Foto von Randolph Oechslein) an den Gräbern von Wolf und Alfreda Weil sowie Leopold Weils, des ersten Sohns. Rabbi Goldberg sprach das Totengebet El Male Rachamin zusammen mit Dr.Heinrich Weil, es folgte eine Ansprache von OB Eva Döhla. Später begaben sich die Versammelten zu der Straßenecke an der Kulmbacher Straße, wo die Oberbürgermeisterin gemeinsam mit Dr. Jakob Gonczarowski, dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, und Heinrich Weil die Schilder enthüllte. Der sichtlich Bewegte bedankte sich für diese Ehrung seines Vaters.

„Eingeweiht“ wurde neben dem eigentlichen Straßenschild, das dort bereits Anfang Februar angebracht worden war, eine ausführliche Erklärungstafel. Nach Mitteilung von OB Eva Döhla soll die benachbarte Dr. Arnheim-Straße, die nach Westen hin den Jüdischen Friedhof „einrahmt“, ebenfalls mit einem solchen Zusatzschild versehen werden. Der 1812 in Bayreuth geborene Fischel Arnheim wurde 1849 für den Wahlkreis Hof-Münchberg als einer von nur zwei jüdischen Abgeordneten in das bayerische Parlament gewählt und war der erste Ehrenbürger Hofs.

Die VVN-BdA Hof-Wunsiedel mit ihren Kreisvorsitzenden Nanne Wienands und – seit 2019 – Eva Petermann hatte sich bekanntlich seit Jahren für diese Form der Ehrung für den ersten Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde nach 1945 in Hof eingesetzt. Anträge dazu hatte Stadtrat Thomas Etzel (Liste Die Linke), stellvertretender VVN-BdA-Kreisvorsitzender, eingebracht. Ab dem 1. Januar 2021 war der neue Name dieses Straßenabschnitts der ehemaligen Hohen Straße nach entsprechendem Stadtratsbeschluss im November 2020 rechtswirksam geworden.

Doppeltes Gedenken zum Tag der Befreiung in Hof am 8. und 9. Mai

12. Mai 2021

Kundgebung am Samstag, 8. Mai, auf dem nach dem katholischen Nazigegner Bernhard Lichtenberg benannten Platz vor der Marienkirche in Hof; rechts auf dem Foto Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender Kreisvorsitzender der VVN-BdA Hof-Wunsiedel
Im Anschluss an die Veranstaltung am Sonntag, 9. Mai, schmückten die Versammelten die Gräber sowjetischer Soldaten bzw. von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern auf dem Hofer Friedhof.

In Hof gab es in diesem Jahr ein doppeltes Gedenken: Nicht nur kamen Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), der Partei Die Linke und der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Hof zum seit Jahren traditionellen Gedenken an die Hofer Widerstandskämpfer um Hans Merker auf dem Friedhof zusammen. Zu diesem hatte in diesem Jahr erstmalig auch der Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit aufgerufen.

Wegen eines kurzfristig bekannt gewordenen „Querdenker“- Auftritts in der Fußgängerzone hatte Janson Damasceno da Costa de Silva, Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat der Linkspartei, zusammen mit VVN-BdA und DKP Hof, unterstützt vom DGB-Kreisvorstand, kurzfristig eine Gegendemo, ebenfalls in der Fußgängerzone, initiiert, gemeinsam mit demselben Bündnis. Es gelte, „ein klares Zeichen gegen Faschismus und rechte Hetze zu setzen“, so der Aufruf, und „ein Angebot für Solidarität und Antifaschismus zu schaffen.“

In ihren Redebeiträgen – von dem DGB-Kreisvorsitzenden Bernd Köhler, dem Hofer Stadtrat Thomas Etzel, der VVN-Kreisvorsitzenden Eva Petermann sowie Janson Demasceno – wurde vor Geschichtsvergessenheit und Rechtsterror gewarnt.. Versuche der „Corona-Leugner“, antifaschistische Vorbilder wie Sophie Scholl oder Anne Frank für sich zu vereinnahmen, nannten sie eine „groteske Geschichtsverfälschung“. Dass demagogische Forderungen insbesondere von der AfD und neonazistischen Splittergruppen heute wieder auf fruchtbaren Boden träfen, habe nicht zuletzt damit zu tun, dass die durch die Pandemie noch verschärften brennenden sozialen Fragen nicht konsequent angepackt würden.

Viel Beifall in der buntgemischten Runde, der sich auch die Oberbürgermeisterin Eva Döhla angeschlossen hatte, fand die Forderung, den 8. Mai zum offiziellen Feiertag zu machen.

Dass die Befreiung vom Faschismus mit unsäglich vielen Opfern erkämpft wurde, stand am Sonntag im Vordergrund, auch im Hinblick auf den 80. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Dies müsse für immer im Gedächtnis eingegraben bleiben, mahnte Oberbürgermeisterin Eva Döhla in ihrer bewegenden Ansprache. Vor dem Gräberfeld im hinteren Teil des Hofer Friedhofs mit den Gräbern „unbekannter russischer Soldaten“ betonte sie, wie wichtig es sei, sich konsequent für Frieden, Versöhnung und demokratische Rechte einzusetzen..

Randolph Oechslein von der DKP Hof erinnerte an Hitlers „Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa“ von 1940, „Sowjetrußland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen“. 1945 war Europa dann ein Trümmerfeld. Mehr als 60 Millionen Menschen, darunter 27 Millionen Sowjetbürger, bezahlten die Weltherrschaftspläne der Nazis mit ihrem Leben. Oechslein berichtete von einer Reise in die ehemalige Sowjetunion, an der er in den 80er Jahren zusammen mit einer Reihe Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch aus der Hofer Region teilgenommen hatte. Ihn hatten nicht nur die Gedenkstätten an Massenmorde von SS und Wehrmacht tief beeindruckt, sondern besonders auch die Versöhnungsbereitschaft der Russen.

In weiteren Redebeiträgen, u.a. von Janson Damasceno, wurde auf die Gefahr hingewiesen, wie der zur Zeit stattfindende Kalte Krieg aus Aufrüstung und neuen Feindbildern – aktuell Russland und China – schnell in eine tatsächliche, auch mit Nuklearwaffen ausgetragene Konfrontation umschlagen könne. Abschließend schmückten die Versammelten die Gräber-Reihen mit roten Nelken.

Auf dem Rückweg gab es einen kurzen Halt am Ehrengrab für die drei von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer der KPD. Ihr Tod sei Verpflichtung, so Eva Petermann, sich nicht desorientieren und auseinander dividieren zu lassen. „Noch nachdrücklicher wollen wir gemeinsam für die Hoffnungen und Vorsätze des 8. Mai 1945 eintreten“, wie damals die befreiten Buchenwald-Häftlinge es sich geschworen hatten: „Für eine Welt des Friedens und und der Freiheit“.

Erstmals seit 20 Jahren Ostermarschaktion in Hof

6. April 2021

Erstmals seit mindestens 20 Jahren gab es auch in Hof (Saale) ein zwar kurzfristig organisiertes, aber dennoch recht breites Bündnis aus DGB Kreisverband Hof, dem Antifa-Bündnis „Hof ist bunt“, der GEW Hof-Wunsiedel und der VVN-BdA Hof-Wunsiedel. Auch die IG Metall Ostoberfranken unterstützte die Ostermarschaktion. Eine Demonstration war nicht genehmigt worden angesichts der extrem hohen Inzidenzwerte in der Stadt. So trafen sich denn gut 30 Menschen (die Teilnehmer-Höchstgrenze gemäß „Notbremsen“-Auflage) – Alt und Jung – zu einer einstündigen Kundgebung im Wittelsbacher Park.

Bernd Köhler (DGB Kreisverband Hof) und Eva Petermann (VVN-BdA )
im Wittelsbacher Park neben dem „Sämann des Krieges“ am Ostersamstag

Redebeiträge kamen von Janson Demasceno für „Hof ist bunt“, der auf die weltweiten Zusammenhänge von Hochrüstung und Kriegen, Klimawandel, Flucht und Armut hinwies und internationale Solidarität einforderte. Des Weiteren sprachen Randolph Oechslein, der als sehr kenntnisreicher Lokalhistoriker eine Menge über das düstere Kriegerdenkmal-Ensemble zu sagen hatte, sowie Bernd Köhler, DGB – Kreisvorsitzender, und die VVN-BdA-Kreisvorsitzende Eva Petermann.

Die VVN-BdA ruft auf, den Wittelsbacher Platz zu einem Ort des Friedens umzugestalten und dabei konkret mit einer entsprechenden Inschrift zu Füßen des unseligen „Sämanns“ zu beginnen.

Bernd Köhler vom DGB kommentierte die „Vision für eine friedliche Zukunft“ aus dem Hofer Aufruf „Lockdown für die Rüstung“. Kriege und seine Folgen hätten seit jeher in erster Linie die arbeitenden Menschen, nicht zuletzt die Gewerkschaftsmitglieder, auszubaden, während insbesondere die Rüstungsindustrie schwindelerregende Profite einfahre.

Für eine friedliche Verständigung der Völker; Kooperation ersetzt die Konfrontationspolitik! Deutschland unterzeichnet und ratifiziert den Aromwaffenverbotsantrag!“ (Aus dem Hofer Aufruf)

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg !

„Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar.Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“ (Bertolt Brecht, 1952)

Teilerfolg bei der Gemeinnützigkeit!

27. März 2021

Eine gute Nachricht vom VVN-Bundesvorstand in Berlin: Die Gemeinnützigkeit soll wieder gelten, allerdings (noch) nicht uneingeschränkt und mit einer teils seltsamen Begründung. Die Gemeinnützigkeit könne nun „nach eingehender Prüfung“ gewährt werden, da die Bundesvereinigung der VVN-BdA im Jahr 2019 im Verfassungsschutzbericht nicht mehr als „extremistische Organisation“ eingestuft sei. Letzteres ist genauso dubios wie die vorherige (gegenteilige) Behauptung: Weil die VVB-BdA im bayerischen VS-Bericht als extremistisch aufgeführt werde, sei ihr die Gemeinnützigkeit in Berlin entzogen worden.

Im bayerischen „Verfassungsschutzbericht 2019“ steht: „Die VVN-BdA ist die bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus.“ (unter: Die VVN-BdA Bayern; Bericht S. 260).

Wie auch immer: Auch als Kreisvereinigung VVN-BdA Hof-Wunsiedel bedanken wir uns bei allen, die uns unterstützt haben, für die großartige Solidarität – nicht zuletzt durch Neueintritte und Spenden. Weiterhin allerdings werden wir gemeinsam dafür kämpfen, dass diese vom Geheimdienst (VS) verbreitete Diskriminierung unserer Organisation und damit des Antifaschismus insgesamt endlich aufhört!

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