Jahreshauptversammlung der VVN-BdA Hof-Wunsiedel

19. Juli 2015

Wir laden alle Interessierten herzlich ein:

Samstag, 17. Oktober 2015, 16 Uhr in die Gaststätte Meinels Bas in Hof, Absolvenstube.

1. Mai 2015 in Schwarzenbach/Saale

10. Mai 2015

SONY DSC 1. Mai 2015, Mai-Demonstration in Schwarzenbach/Saale

Gedenken am 8. Mai 2015, Friedhofsgang Samstag, 9. Mai 2015 in Hof

27. April 2015

Wir wollen auf die Befreiung vom Faschismus vor 70 Jahren aufmerksam machen. Am Samstag, 9. Mai 2015 um 14 Uhr treffen wir uns am Hofer Friedhof um die Gräber der Hofer Widerstandskämpfer zu besuchen, sowie die Gräber sowjetischer Kriegsgefangener. Wir treffen uns am unteren Eingang, Ecke Plauener / Schleizer Straße. Alle Antifaschisten sind herzlich willkommen!   Am Freitag, 8. Mai 2015, findet um 16 Uhr eine Gedenkenveranstaltung am ehemaligen Gewerkschaftshaus in der Marienstraße 75  in Hof statt, an der wir uns ebenfalls beteiligen.

Lesung „Frauen gegen Hitler“ am Montag, 16. März 2015

16. Februar 2015

Der Beitrag der VVN-BdA Hof-Wunsiedel zum diesjährigen Internationalen Frauentag birgt ein literarisches Ereignis: Frau Dr. Martha Schad aus München liest am Montag, 16. März 2015 um 19 Uhr in der Hofer Stadtbücherei aus ihrem Buch „Frauen gegen Hitler“. Dr. Schad ist Mitglied der Münchner Turmschreiber, Ehrenvorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Augsburg,und sie ist ehrenamtliche Heimatpflegerin der Stadt Augsburg für kulturelle Angelegenheiten. Sie hat als Kunsthistorikerin viele Bücher – gerade auch über bekannte und unbekannte Frauen – veröffentlicht; einige Bücher sind verfilmt worden. „Frauen gegen Hitler“ wird als eine Hommage an vergessene Heldinnen im NS-Regime verstanden. Dr. Schad beschreibt Frauen, die sich mit beispielloser Zivilcourage dem Diktat Hitlers widersetzten. Viele bezahlten diesen Widerstand mit ihrem Leben. Die Frauen gerieten viel zu lange in Vergessenheit. In ihrem fundiert recherchierten Bestseller porträtiert Dr. Martha Schad nicht nur namhafte Widerstandskämpferinnen wie Sophie Scholl oder Marion Gräfin Dönhoff, sondern sie lässt auch unbekannte Frauen in bewegenden Zeitdokumenten zu Wort kommen. Im Anschluss an die Lesung kann gern diskutiert werden. Der Internationale Frauentag (International Women’s Day) wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Der Tag wird auch Weltfrauentag, Tag der Frau oder Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau genannt. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. http://www.kleiner-kalender.de/event/frauentag/19503.html Dr. SchadDSCF1865

Fasching statt Faschismus

16. Februar 2015

Mit Kreativität, Karikatur, Wortwitz, Musik, Bananen und einer Putzkolonne  ging es am Samstag, 14. Februar 2015 gegen Nazis in Wunsiedel. Sie hatten wohl gedacht, dass man nicht innerhalb einer knappen Woche reagieren könnte – ha ha ha! Ihr Gedenken an die Opfer in Dresden war in Wunsiedel vor allem eines: unangebracht. Man kann sie einfach nicht mehr ernst nehmen, und das bekamen sie zu sehen und zu hören. Vor allem das Bananensymbol wird sie noch lange verfolgen!

70 Jahre Befreiung

29. Januar 2015

Ökumenischer Gottesdienst zum Tag der Opfer des Faschismus

Dieselben Worte, dieselben Lieder. Für das Gottesdienstteam ist längst zum Ritual geworden, was die Besucher wohltuend empfinden – es tut gut. Es tut gut, sich miteinander an diesem Tag, dem 27. Januar 2015, dem Gedenktag für die Opfer des Faschismus, dem diesmal 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee, mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. 2006 hat dieser Gottesdienst erstmals stattgefunden. Zum zehnten Mal ertönte vergangene Woche zum Abschluss das Lied vom wiedererblühten Mandelzweig. Der Organisatonskreis, bestehend aus evangelischen und katholischen Gemeindemitgliedern, Pfr. Daniel Lunk und Pfr. Joachim Cibura, Vertretern des Vereins gegen das Vergessen und der VVN-BdA Hof-Wunsiedel findet aber auch seit zehn Jahren immer wieder einen neuen Impuls für diese Stunde. Nach Lesung und Liturgie konnten die Besucher des Gottesdienstes diesmal einer Fachfrau lauschen, die die sachliche Seite eines Traumas beschrieb. Schwester Edith Schmidt von der Christusbruderschaft Selbitz ist Diplom-Psychologin. „Ein Trauma bedeutet das Erleben einer Extremsituation, die alle bisherigen Bewältigungsmöglichkeiten eines Mernschen übersteigt. Sein Vertrauen ins Leben und in andere Menschen wird grundlegend erschüttert“, erläuterte sie. Das kann ein Unfall sein, ein Schicksalsschlag oder – und das kennzeichnete sie als besonders belastend und schwerwiegend – die Erfahrung von körperlicher Gewalt oder gezielter Entwürdigung durch andere Menschen, etwa eine Gefangennahme oder Folter. Bestimmte Reaktionsmöglichkeiten werden häufig beobachtet: das Wiedererleben der traumatischen Ereignisse, verursacht etwa durch eine bestimmte Situation, ein Wort, einen Geruch; die Vermeidung bestimmter Situationen – man geht z. B. nicht mehr in einen Keller, die Unfähigkeit, von dem Erlebten zu sprechen, und als weitere Reaktion die Übererregbarkeit im Sinne von z. B. Schlaflosigkeit, Gefühlsausbrüchen, vordergründig unbegründbaren Affekten. Schwester Edith brachte diese theoretische Beschreibung in Zusammenhang mit den Opfern in den Konzentrationslagern, aber auch mit den heute in Deutschland ankommenden Flüchtlingen. „Die sogenannte posttraumatische Belastungsstörung als Folge der erlebten Traumata kollidiert dann hier mit den Anforderungen des Asylverfahrens,“ erklärte sie, „denn die Flüchtlinge sind verpflichtet, alle Informationen, die zu ihrem Asylantrag gehören, umfassend und detailliert einer fremden Person zu berichten, oft noch mit einem Übersetzer, von dem man nicht weiß, ob er genau übersetzt, was man ausdrücken will.“ Konkrete Beispiele veranschaulichen ihre Ausführungen. Im Anschluss an den Gottesdienst beteiligten sich viele Besucher an dem Fackelzug durch den Friedhof zu den Gräbern der Opfer aus dem Jahr 1945. Nanne Wienands, Vorsitzende der VVN-BdA Hof-Wunsiedel, berichtete vom Einsatz der Schwarzenbacher Stadträte vor 50 Jahren, die erreicht hätten, dass diese Toten nicht nach Flossenbürg umgebettet wurden wie über 5000 andere aus ganz Bayern. „Die Stadträte wollten diese Gräber als Gedenkstätte zur Bewusstseinbildung für die Bevölkerung behalten, und wir sind heute dankbar dafür.“ Wienands wies auf das neu erschienene  Buch von Dr. Hans Brenner hin „Todesmärsche und Todestransporte“, in dem auch der Schwarzenbacher Todesmarsch erwähnt sei. Dieses Buch mache deutlich, wie viele Menschen am Ende des Krieges noch kreuz und quer durch ganz Europa getrieben wurden. Die Fußmärsche und die Transporte bedeuteten für viele Menschen das Todesurteil. Dass es auch anders hätte gehen können, habe im November 2014 der Historiker Ulrich Fritz bei einem Vortrag in Schwarzenbach berichtet. „In Mehltheuer bei Plauen übergab Lagerkommandant Fischer am 16. April 1945 die Häftlinge an die befreienden amerikanischen Truppen, alle Frauen überlebten die letzten Kriegstage. Genauso wie die Frauen in Helmbrechts hatten sie für die Rüstung arbeiten müssen. Mögen sie alle nicht vergessen werden.“

no pasaran – 16. Januar 2015

6. Januar 2015

No Pasaran – Sie werden nicht durchkommen!

Im gut besuchten Hofer Scala-Kino zeigte die VVN-BdA Hof-Wunsiedel kürzlich den im Jahr 2014 herausgekommenen Dokumentarfilm des Regisseurs Daniel Burkholz. Acht Zeitzeugen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Spanien und anderen europäischen Ländern berichteten in anrührenden Gesprächen an ihre antifaschistischen Widerstandsarbeit im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Alle hatten sie gehofft zu überleben. Doch eigentlich rechnete keiner von ihnen wirklich damit, nach einer Odyssee über die Schlachtfelder Europas und durch Konzentrations- und Vernichtungslager tatsächlich das Ende des Faschismus erleben zu können. Fürs Leben gezeichnet, aber ungebrochen, weit über 90 Jahre alt, aber entschieden und gelassen erzählen sie vor der Kamera aus ihrem Leben. Gerhard Hoffmann, Rosaria Sanchez Mora, genannt „La Dinametera“, Hermann Scheerboom, Kurt Julius Goldstein, die Brüder Joseph und Vincent Almudever, Giovanni Pesce und dessen Frau Onorina Brambilla Pesce – alle waren fast noch Jugendliche, als sie sich freiwillig für den Einsatz in einem fremden Land entschieden. Ihre beeindruckenden Persönlichkeiten, ihre bewegenden Gesprächsbeiträge, ihr Humor und ihre Menschlichkeit, die Gelassenheit, mit der sie ihr Schicksal tragen – Schusswunden, Explosionen und das Alter haben Spuren hinterlassen – faszinieren die Zuschauer. Ihre Erlebnisse lassen niemanden unberührt.
„Würdest du für die Freiheit deines Landes kämpfen?“ fragt Hermann Scheerboom seinen erwachsenen Enkel. Die Antwort „ja, das würde ich tun, aber für ein anderes Land? – eher nicht.“ Der ältere Herr hilft ihm auf die Sprünge „wenn die anderen Länder nicht frei sind, hat dein eigenes Land nichts von seiner Freiheit.“ Und diese Einsicht kann aktueller nicht sein, sie beschreibt das Anliegen der älteren Herrschaften punktgenau, so dass einem dieser Satz am Ende des Filmes im Gedächtnis bleibt.

Einige der Protagonisten sind nach den Filmaufnahmen verstorben. Man kann also nur froh sein über die Themenwahl von Regisseur Daniel Burkholz.

Während der Diskussion steuerte Randolph Oechslein Hofer Fakten bei. Er wusste, dass auch drei Bürger aus Hof sich freiwillig den Internationalen Brigaden in Spanien angeschlossen hatten, namentlich erwähnte Oechslein Theodor Klug. 1913 in Hof geboren, war dieser bereits als Jugendlicher politisch aufklärend aktiv. 1933 erwischten ihn die Nazis und sperrten ihn kurzerhand für einige Monate im KZ Dachau hinter Schloss und Riegel. 1937 drohte ihm dies wieder, er flüchtete und ging über die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Nach heftigen Kämpfen und schweren Verletzungen wurde er 1939 aus den Internationalen Brigaden entlassen. Durch mehrere Länder und bis in die Sahara führten ihn Arbeit und immer wieder die Flucht vor den faschistischen Kräften. 1945, vor nunmehr 70 Jahren, kam er zurück nach Hof. Weil ihm als republikanischem Spanienkämpfer und dann Angehörigem der englischen Armee von den Nazis die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden war, verweigerte man ihm in Hof die Zuteilung von Lebensmittelkarten und die Arbeitserlaubnis. Er verließ seine Heimatstadt und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1982 in der DDR.

http://www.kino.de/kinofilm/no-pasaran/155398
www.roadside-dokumentarfilm.de

 

Gedenken an Hans Merker 4. Januar 2015

8. Dezember 2014

Jahresauftakt zum 70. Jubiläum der Befreiung vom Faschismus: Ehrung für kommunistischen Widerstandskämpfer in Hof/Saale

Am 5. Januar 2015 jährte sich der Tag der Ermordung des kommunistischen Widerstandskämpfers Hans Merker zum 70. Mal. Mehr als ein Dutzend Menschen aus Franken ließen sich von Eis und Schnee nicht abhalten, am Sonntag davor auf dem Friedhof der Saalestadt an der Gedenkfeier von DKP Oberfranken und der VVN-BdA Hof-Wunsiedel teilzunehmen.

 „Meinst du, die Russen wollen Krieg?“ dieses Lied, das nach einem Gedicht des russischen Dichters Jewtuschenko entstand, bildete den Beginn der Gedenkstunde. Der kollektive Schwur der Buchenwald-Häftlinge von 1945 „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, der gerade in Hinblick auf die aktuelle Situation in Europa sehr aktuell ist, wurde in dieser Stunde mehrfach zitiert.

Randolph Oechslein von der DKP in Hof rief Stationen aus dem Leben des KPD-Mitglieds Hans Merker in Erinnerung, der u.a. im KZ Dachau und in Buchenwald inhaftiert war. Das Gedenken galt auch Merkers Genossen Philipp Heller und Ewald Klein, die bereits vor ihm Opfer der Nazis wurden, wie auch den vielen anderen Hofer Widerstandskämpfern, die zum Teil auch aus der SPD kamen. Unter ihnen war auch die mutige junge Sozialdemokratin Rosa Opitz, die damals mehr als einmal ihr Leben riskierte.

Sie alle wären größtenteils völlig in Vergessenheit geraten, hätte nicht der frühere Hofer KPD-Stadtrat Rudi Macht ihnen in seiner fünfbändigen „Geschichte der Hofer Arbeiterbewegung“ ein Denkmal gesetzt. Unmittelbar nach der Befreiung 1945 war in Hof zwar eine Straße nach Hans Merker benannt worden, sowie jeweils eine Brücke bzw. ein großes Sportstadion nach seinen beiden Kampfgefährten Heller und Klein. Im Zuge des Kalten Krieges jedoch und des erneuten Verbots der KPD in den 1950er Jahren wollte man davon nichts mehr wissen.

Seit langem fordert die VVN-BdA zusammen mit vielen Mitstreitern, die Widerstandsgruppe Merker, Heller und Klein ganz offiziell und öffentlich zu ehren. Immerhin hatte die Stadt Hof anlässlich von Merkers Todestag eine Grußadresse geschickt und auf dem Gemeinschaftsgrab der drei Opfer einen großen Kranz aufstellen lassen. Die Stadtratsfraktion der SPD, deren stellvertretende Fraktionsvorsitzende Eva Döhla an der Gedenkfeier teilnahm, hatte kürzlich ebenfalls das Anliegen aufgegriffen. Eva Döhla wies darauf hin, wie einfach es heute sei, zu seiner Meinung zu stehen und sie öffentlich kund zu tun. „Ohne Bedrohung des Lebens, ohne in materielle Not zu geraten ist es heute möglich, auf Missstände hinzuweisen oder eine andere Meinung zu vertreten,“ meinte Döhla und zeigte sich beeindruckt von der Bereitschaft der Familien der Widerstandskämpfer, für ihre Überzeugungen einzustehen.

Gruppe klP1300205 Auf dem Friedhof in Hof/Saale

Wunsiedel 15. November 2014

7. November 2014

VVN-BdA ruft zur Teilnahme an den Aktionen in Wunsiedel auf
Gegen eine Veranstaltung von Neonazis organisiert die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“ am Samstag, den 15. November 2015 Gegenveranstaltungen. Um 13.30 Uhr beginnen in Wunsiedel drei Stationengottesdienste; an der Friedhofskirche in der Egerstraße, dem Maxi-Kindergarten in der Maximilianstraße und an der Katholischen Kirche in der Kemnather Straße. Zur gleichen Zeit startet der DGB am Busbahnhof, um zum Marktplatz zu laufen. Dort wird um 14 Uhr eine gemeinsame Kundgebung stattfinden. Die VVN-BdA Hof – Wunsiedel ruft alle Bürger dazu auf, sich an den Gottesdiensten und der Kundgebung zu beteiligen. Durch Wunsiedel ging im Jahr 1945 einer der zahlreichen Todesmärsche, durch die die Konzentrationslager der Nationalsozialisten aufgelöst werden sollten. Der Sprecher der Wunsiedler Bürgerinitiative, Karl Rost, hat dazu viele Informationen und Zeitzeugenaussagen zusammengetragen, so dass man heute in Wunsiedel zumindest den Weg der Opfer der Nationalsozialisten vor den Umzügen der Neonazis schützen kann.

Arno Behrisch – Vortrag von Peter Weiß

12. Oktober 2014

Arno Behrisch (1913-1989) : „Einer, der den Hofern etwas zu sagen hatte“
GEW und VVN erinnern an den einstigen Hofer Abgeordneten

Für seine neue Heimat Hof, in die es ihm nach skandinavischem Exil 1945 verschlagen hatte, hat sich Arno Behrisch nach Kräften eingesetzt.
Seine konkreten Vorschläge für eine gezielte Strukturpolitik für die Grenzlandregion mit dem Titel „Oberfranken im Würgegriff“ waren wegweisend. Als Journalist stand der langjährige Chefredakteur der „Oberfränklschen Volkszeitung“ ein für politische Aufklärung und demokratischen Meinungsstreit. Das konnte die einstige Nazi-Hochburg durchaus gebrauchen.
Wurde es ihm gedankt? Sein Name findet sich weder auf der Homepage der Stadt Hof noch auf dem Stadtplan. Kein Wort mehr davon, dass Behrisch fünfzehn Jahre lang ein wichtiger Akteur im politischen und publizistischen Geschehen Hofs und Nordostoberfrankens war. Immerhin wählten die Hofer den SPD-Spitzenkandidaten 1946 in den Landtag. 1949 schickten sie ihn mit einem Direktmandat in den Bundestag. In seinem politischen Leben wird der Wandel vom Kalten Krieg zur Entspannungspolitik sichtbar. Wie in einem Brennglas scheinen zentrale Konflikte deutscher Geschichte auf.
Gründe genug für die Kreisvorstände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hof und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel, um mit einer Veranstaltung im Hofer „Genossenschaftsheim“ dieses couragierten Gewerkschafters, Nazigegners und Friedenskämpfers zu gedenken.

GEW-Kreisvorsitzender Karlheinz Edelmann begrüßt als Referenten seinen Gewerkschaftskollegen Peter Weiss. Dieser berichtet, wie tief beeindruckt er als junger Mann war von der Begegnung mit Behrisch. Der Weidener Lehrer entpuppt sich als versierter Anekdotenerzähler. Ein gebanntes Publikum, darunter auch einige Hofer Polit-Prominenz, erfährt jede Menge Details aus dem wechselvollen Leben des gebürtigen Dresdners.
„Ein Geschöpf der Arbeiterbewegung“, nennt ihn Weiss. Mit noch nicht vierzehn Jahren bereits schließt sich der Schriftsetzerlehrling der Gewerkschaft an. Dass sein Vater aus dem 1. Weltkrieg nicht zurückkommt, flößt ihm einen unüberwindlichen „Abscheu vor dem Barras“ ein.

Früh auch Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend verschlingt der junge Arno Bücher u.a. von Bebel und Rosa Luxemburg und tritt mutig auf gegen die immer dreister werdenden Nazis. 1931 schließt er sich der SAP an, einer Abspaltung von der SPD, und setzt sich für die Einheitsfront von SPD und KPD ein.
Peter Weiss schildert, wie sich der Zwanzigjährige nach der Machtübertragung an Hitler 1933 durchschlägt – von Osteuropa bis in den hohen Norden nach Schweden. Dort stellt er zusammen mit deutschen Sozialdemokraten illegale Druckschriften für den Widerstand in Nazi-Deutschland her.
Dass er auch an Sabotageakten und an Special Operations des britischen Geheimdienstes teilnimmt, macht ihn wie auch seine Weggefährten im Exil , u.a. Willy Brandt, in den Augen der Rechten zum „bezahlten Agenten“. Gegen derartige Verleumdungen setzt sich Behrisch beherzt zur Wehr, mitunter gerichtlich. Aber die ständigen Rufmord-Kampagnen zermürben ihn auch. Als Wortführer tat sich dabei übrigens ein früherer HJ-ler hervor, der sich als junger Mensch für die SS hatte rekrutieren lassen.
All das tut Behrischs geradezu volkstümlicher Beliebtheit letztlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Seite an Seite mit dem späteren SPD-Oberbürgermeister Hans Högn kämpft er in den 50ern gegen die Remilitarisierung. Doch 1956 stimmt die SPD mehrheitlich für die neuen Wehrgesetze.

Enttäuscht wendet sich Behrisch 1961 der Deutschen Friedensunion (DFU) zu, einem Sammelbecken der linken Opposition, einschließlich der Kommunisten. Das macht ihn beim etablierten Hof endgültig zur „Unperson“. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag zieht Behrisch nach Nordrhein-Westfalen. Seine politischen Schwerpunkte sind der Kampf für die Entspannungspolitik und gegen den Demokratie-Abbau, u.a. durch die Berufsverbote. Als davon Betroffener outet sich eher beiläufig der Referent, wie Arno Behrisch ein ehemaliges Mitglied der SPD.

Ende der Siebziger schließlich kehrt der Mitbegründer der deutschen Ostermarsch-Bewegung mit seiner zweiten Frau nach Hof zurück. Wie ein Vermächtnis an die Hofer wirkt heute sein letzter öffentlicher Auftritt wenige Tage vor seinem Tod: Am 4. September, a uf der machtvollen DGB-Kundgebung anlässlich des Antikriegstags, 1989 plädiert er ein letztes Mal leidenschaftlich für Abrüstung und Frieden. Nicht nur Peter Weiss ist tief bewegt von diesem „Aufklärer und Polemiker“: „Da stand ein Agitator im positiven Sinne, einer, der etwas zu sagen hatte.“

Nachfragen und Ergänzungen aus dem sachkundigen Publikum gab es so viele, dass der Referent eine Fortsetzung versprach. Ältere Hofer und Hoferinnen, die eigene Erfahrungen und Informationen zu Arno Behrisch beisteuern möchten, können sich gern an die Hofer GEW oder an die VVN wenden.

Eva Petermann

 

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