Für einen würdigen Erinnerungsort am Hofer Hallplatz; VVN-BdA macht Vorschläge

28. Februar 2026

Der Ort zahlreicher Gedenkfeiern am Hallplatz ist zur Baustelle geworden. Weit und breit gab es keinerlei Hinweis darauf, dass hier, in der Reichspogromnacht vom 9.-10. November 1938 SA und SS in der einstigen, erst zehn Jahre vorher eingeweihten Synagoge wüteten. Und dass Jahrzehnte später auf diesem mittlerweile überbauten, inzwischen höchst baufälligen Gelände an die antisemitischen Naziverbrechen erinnert worden war. Die erst 1983 angebrachte Gedenktafel wurde ins Museum verbracht. Wie es aussieht, besteht in einem Punkt allgemeiner Konsens: Dass nach Abschluss der Bauarbeiten dort ein würdiger Erinnerungsort entstehen soll. Das allerdings kann dauern. Damit wollte sich unsere VVN-BdA nicht zufriedengeben. Am 14. Februar haben Mitglieder der VVN-BdA mit einem großen Banner am Bauzaun auf die historische Besonderheit dieses Baugeländes aufmerksam gemacht.

Aktion am Hallplatz: Randolph Oechslein, Mitglied unserer Kreisorganisation, bringt zusammen mit anderen Antifaschisten ein informatives Banner am Bauzaun an. Über der vergrößerten Gedenktafel-Abbildung , die jetzt seit Baubeginn im Museum aufbewahrt wird, steht unsere Forderung: „Für einen würdigen Erinnerungsort“. (Foto: VVN-BdA Hof-Wunsiedel)

Viele wissen nichts über die einstige moderne Synagoge. Ihr großer Gottesdienstraum mit den über hundert Sitzplätzen und einer kunstvoll gestalteten schönen Decke war interessanterweise nicht orthodox gestaltet. Der Männer- und Frauenbereich waren also baulich nicht getrennt. Doch die kleine jüdische Gemeinde hatte nicht lange Freude daran. Bereits ein Jahr später kam es zu antisemitischen Ausschreitungen; Fensterscheiben wurden eingeworfen. Am frühen Morgen des 10. November 1938, in der Reichspogromnacht, tobte sich dann auch in Hof ein faschistischer Mob aus – vor den Augen der aufgeschreckten oder gar mitjohlenden Anwohnerschaft. Das schöne Gebäude war nicht mehr zu nutzen; all das war bekanntlich verbunden mit brutalsten antijüdischen Verfolgungen.

Erst nach der Befreiung formierte sich wieder eine kleine jüdische Gemeinde. Der erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde nach 1945 war Wolf Weil (gestorben 1988). Er überlebte dank Oskar Schindler den Holocaust. In Hof lernte er die ebenfalls hier gestrandete Holocaust-Überlebende Alfreda Bachner kennen. Die beiden heirateten. Sie starb vor fünf Jahren, fast hundertjährig, am 24. Januar 2021. Nach Wolf Weil wurde bekanntlich in demselben Jahr eine Straße in der Nähe des jüdischen Friedhofs am Stadtrand von Hof benannt. Und damit eine langjährige Forderung unserer VVN-BdA erfüllt.

Zwei Wochen später, am 28. Februar, lassen sich Kandidatinnen und Kandidaten bei einem Ortstermin über die Vorstellungen der VVN-BdA zur künftigen Gestaltung des Areals informieren. Alle stimmten überein, dass die Stadtgesellschaft, inkl. Schulen und lokale Künstlerinnen und Künstler, dabei einzubeziehen seien. Auf dem Foto von links nach rechts: Dominik Leipold, Melanie Glücker, Eva Petermann (VVN-BdA-Kreisvorsitzende); Linke-Spitzenkandidat und amtierender Stadtrat Janson Damasceno da Costa e Silva, Elena Edelmann, Hannes Perner und eine weitere Interessierte. (Foto: Randolph Oechslein)